🤝 Arbeitskultur2024-12-02
Erfahre, wie viele Urlaubstage dir während deiner Ausbildung in Deutschland zustehen, wie Tarifverträge diese Anzahl erhöhen können, und wie du deine Freizeit planst.
Der Start deiner Ausbildung in Deutschland ist aufregend — doch nach Wochen mit frühen Arbeitszeiten, Berufsschulplänen und neuen Arbeitsroutinen wirst du eine Pause brauchen. Dein Urlaubsanspruch als Auszubildender zu verstehen bedeutet nicht nur zu wissen, wann du dich ausruhen kannst; es geht darum, deine Rechte zu kennen, damit dir kein Arbeitgeber etwas vorenthalten kann. Die Regeln rund um Urlaubstage während der Ausbildung sind großzügiger als viele Auszubildende erwarten, und sie variieren je nach deinem Alter, deiner Branche und deinem spezifischen Ausbildungsvertrag.
Urlaubsanspruch bedeutet einfach dein gesetzliches Recht auf bezahlte Urlaubstage. Während deiner Ausbildung bist du durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) — Deutschlands Berufsausbildungsgesetz — geschützt, das dir bezahlte Freizeit wie jedem regulären Arbeitnehmer garantiert.
Das Wichtigste ist zu verstehen, dass deine Urlaubstage bezahlt sind. Deine Ausbildungsvergütung wird während des Urlaubs weitergezahlt. Du verlierst kein Geld, wenn du Urlaub nimmst — es ist dein Recht.
Drei Ebenen bestimmen, wie viele Tage du tatsächlich bekommst:
Gemäß § 19 BBiG hängt dein minimaler Urlaubsanspruch während der Ausbildung von deinem Alter zu Beginn des Kalenderjahres ab:
Dies sind Arbeitstage, keine Kalendertage. Da die meisten Ausbildungspläne Montag bis Freitag laufen (5 Arbeitstage pro Woche), entsprechen 24 Arbeitstage etwa 4,8 Wochen Urlaub pro Jahr. Das ist bereits solide — doch viele Auszubildende bekommen am Ende sogar noch mehr.
Wichtig: Das Alter, das zählt, ist dein Alter am 1. Januar des jeweiligen Jahres. Wenn du im März 18 wirst, bekommst du trotzdem den 25-Tage-Anspruch für das ganze Kalenderjahr, weil du am 1. Januar noch 17 warst.
Nur Tage, an denen du normalerweise arbeiten würdest, werden von deinem Urlaubsanspruch abgezogen. Das bedeutet:
Wenn dein Ausbildungsbetrieb an einen Tarifvertrag gebunden ist — ein Kollektivabkommen, das zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften verhandelt wurde — bekommst du wahrscheinlich mehr als das gesetzliche Minimum. Hier wird es interessant.
Hier sind echte Beispiele aus gängigen Ausbildungssektoren:
| Branche | Typische Urlaubstage | |---|---| | Einzelhandel | 28–30 Tage | | Banking & Finanzen | 30 Tage | | Bauwesen | 30 Tage | | Gesundheit & Pflege | 29–30 Tage | | IT & Technik | 27–30 Tage | | Öffentlicher Dienst (TVöD) | 30 Tage |
Wenn du beispielsweise eine Ausbildung als Bankkaufmann/-frau in Frankfurt machst, gibt dir dein Tarifvertrag typischerweise 30 Urlaubstage — das sind 6 volle Wochen pro Jahr, weit über dem gesetzlichen Minimum.
Um herauszufinden, ob dein Arbeitgeber an einen Tarifvertrag gebunden ist, schau auf der Website der zuständigen Gewerkschaft nach. Für den Einzelhandel ist das ver.di (verdi.de). Für Metallindustrie und IT ist es IG Metall (igmetall.de). Für Bauwesen schau auf IG BAU (igbau.de).
Einer der verwirrендsten Aspekte des Urlaubs während der Ausbildung ist herauszufinden, wann du ihn eigentlich nehmen kannst, wenn du deine Zeit zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule aufteilst.
Dein Arbeitgeber ist verantwortlich für die Genehmigung deines Urlaubs. Du solltest immer die Richtlinien deines Betriebs überprüfen, aber hier ist das allgemeine Framework:
Die Schulferien in Deutschland variieren nach Bundesland. Wenn du deine Ausbildung in München (Bayern) machst, laufen die Sommerferien typischerweise von Ende Juli bis Anfang September. In Hamburg fallen sie oft in Juni und Juli. Schau im offiziellen Ferienkalender deines Bundeslandes auf kmk.org (die Ständige Konferenz der Kultusminister) nach.
Was passiert, wenn du nicht alle Urlaubstage bis zum 31. Dezember nimmst? Die Regeln sind strenger als viele Menschen denken.
Ausnahme: Wenn deine Ausbildung in der Mitte des Jahres endet (wenn du beispielsweise im Juli nach bestandenen Prüfungen fertig bist), hast du Anspruch auf eine anteilige Anzahl von Urlaubstagen für die Monate, in denen du gearbeitet hast. Wenn du sie nicht vor Vertragsende nehmen konntest, muss dein Arbeitgeber sie in deiner täglichen Ausbildungsvergütung auszahlen.
Hier geraten viele Auszubildende — besonders diejenigen, die neu in der deutschen Arbeitskultur sind — in Probleme.
Fehler 1: Berufsschultage als Urlaub ansehen. Viele Auszubildende glauben fälschlicherweise, dass wenn sie nicht im Betrieb sind, sie „frei" haben. Die Berufsschule ist Teil deiner Ausbildung — es ist keine freie Zeit, und es zählt nicht als Urlaub.
Fehler 2: Urlaub nicht schriftlich beantragen. Eine mündliche Absprache mit deinem Ausbilder reicht nicht aus. Hole dir die Genehmigung immer schriftlich. Falls es später zu einem Konflikt kommt, brauchst du Belege.
Fehler 3: Reisen buchen, bevor Urlaub genehmigt ist. Das ist teuer. Buche niemals nichterstattbare Flüge oder Hotels, bevor du eine schriftliche Bestätigung hast. Dein Arbeitgeber kann deinen Antrag ablehnen, wenn Betriebsbelange es erfordern.
Fehler 4: Deine Tarifvertrag-Rechte nicht kennen. Viele Auszubildende wissen nicht, dass ihre Branchenvereinbarung ihnen mehr als 24 Tage gibt. Schau in deinen Vertrag und frag die Personalabteilung oder den Betriebsrat deines Betriebs, ob ein Tarifvertrag gilt.
Fehler 5: Tage verfallen lassen. Wenn du Ende November mit 10 unbenutzten Urlaubstagen dastehst, warte nicht — beantragte sie sofort. Arbeitgeber widerstehen manchmal, aber du hast das gesetzliche Recht, sie im Kalenderjahr zu nehmen.
Fehler 6: Denken, dass Krankheitstage deinen Urlaub reduzieren. Wenn du während deines genehmigten Urlaubs erkrankst und eine Krankschreibung vom Arzt hast, müssen diese Krankheitstage deinem Urlaubskonto wiederhergestellt werden. Du verlierst sie nicht.
Dein Urlaubsanspruch während deiner Ausbildung ist durch Bundesgesetz geschützt. Kein Ausbildungsvertrag kann dir weniger Tage geben, als das BBiG verlangt, und kein Arbeitgeber kann dich unter Druck setzen, verdiente Tage aufzugeben. Falls du jemals denkst, dass deine Rechte verletzt werden, kannst du die Agentur für Arbeit, die zuständige Gewerkschaft oder einen kostenlos Rechtsberatungsdienst wie Caritas oder AWO, die viele Städte anbieten, kontaktieren.
Diese Regeln vor deiner Ausbildung zu verstehen setzt dich in eine viel stärkere Position — du weißt, was dich erwartet, was du fragen kannst, und wann du nachdrücklich werden solltest.
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