Elterngeld während der Ausbildung: So beantragen Sie Elternzeitbeihilfe bei niedrigem Ausbildungseinkommen
2024-05-14
Erfahren Sie, wie Sie Elterngeld während Ihrer Ausbildung in Deutschland beantragen, Ihren Leistungsbetrag berechnen und Partnermonate nutzen, um Ihren Elternurlaub zu maximieren.
Ein Baby bekommen während der Ausbildung in Deutschland ist häufiger als viele denken — und ja, Sie können Elterngeld auch mit einem Azubi-Gehalt erhalten. Viele marokkanische Familien, die nach Deutschland ziehen, nehmen an, dass Elternzeitbeihilfen nur für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer mit hohen Einkommen erhältlich sind, aber das ist einfach nicht wahr. Dieser Leitfaden erklärt genau, wie Elterngeld während der Ausbildung funktioniert, wie viel Sie erwarten können und wie Sie jede Regel zu Ihrem Vorteil nutzen.
Was ist Elterngeld und wer kommt während der Ausbildung in Frage?
Elterngeld ist eine deutsche Elternzeitbeihilfe, die vom Staat gezahlt wird, um Eltern nach der Geburt eines Kindes bei den Lebenshaltungskosten zu unterstützen. Es wird von der Elterngeldstelle in Ihrem Bundesland verwaltet und über Steuern finanziert — nicht von Ihrem Arbeitgeber.
Um Elterngeld während Ihrer Ausbildung zu erhalten, müssen Sie folgende grundlegende Bedingungen erfüllen:
Sie leben in Deutschland (angemeldeter Wohnort / Meldebescheinigung).
Sie sind der rechtliche Elternteil oder Adoptivelternteil des Kindes.
Sie arbeiten nicht mehr als 32 Stunden pro Woche (das Limit für den gleichzeitigen Erhalt von Elterngeld).
Sie haben eine gültige Aufenthaltserlaubnis, die Ihnen den Erhalt von Sozialleistungen ermöglicht — für Marokkaner ist dies normalerweise eine Niederlassungserlaubnis oder eine EU Blue Card, aber auch einige befristete Genehmigungen kommen in Frage. Überprüfen Sie dies bei Ihrer Ausländerbehörde.
Hier ist der Schlüsselfakt: Azubis (Auszubildende) kommen auf jeden Fall in Frage. Ihre Ausbildungsvergütung zählt als Einkommen für die Berechnung. Selbst wenn Ihr Einkommen sehr niedrig ist, erhalten Sie mindestens das Mindest-Elterngeld von 300 € pro Monat.
Basis-Elterngeld vs. ElterngeldPlus: Welches sollten Sie wählen?
Deutschland bietet zwei Hauptmodelle, und die Wahl des richtigen ist wichtig, wenn Ihr Ausbildungseinkommen niedrig ist.
Basis-Elterngeld (Basiselterngeld)
Gezahlt für bis zu 14 Monate insgesamt (12 Monate für einen Elternteil, +2 Partnermonate, wenn beide Elternteile Urlaub nehmen).
Ersetzt 65–67 % Ihres durchschnittlichen Nettoeinkommens aus den 12 Monaten vor der Geburt.
Minimum: 300 €/Monat, Maximum: 1.800 €/Monat.
Bei niedrigen Einkommen (unter ca. 1.000 € Netto/Monat) erhöht sich der Ersatzquote auf bis zu 100 % auf einer gleitenden Skala.
Beispiel: Wenn Ihre Ausbildungsvergütung 800 € pro Monat Netto beträgt, erhöht sich Ihre Elterngeldersatzquote auf ungefähr 75–80 %, was Ihnen rund 600–640 € pro Monat an Basis-Elterngeld gibt.
ElterngeldPlus
Gezahlt für doppelt so lange wie Basis-Elterngeld — bis zu 28 Monate für einen Elternteil.
Jede monatliche Zahlung ist halb so hoch wie das Basis-Elterngeld.
Funktioniert besonders gut, wenn Sie während des Elternurlaubs zu Teilzeitarbeit oder Teilzeit-Ausbildung zurückkehren.
Sie können es mit Teilzeitausbildung (unter 32 Stunden/Woche) kombinieren und trotzdem ElterngeldPlus erhalten.
Beispiel mit dem gleichen 800 € Nettoeinkommen:
Basis-Elterngeld: ca. 620 €/Monat für 12 Monate = 7.440 € insgesamt.
ElterngeldPlus: ca. 310 €/Monat für 24 Monate = 7.440 € insgesamt.
Die Gesamtsumme ist ähnlich, aber ElterngeldPlus verteilt Zahlungen über einen längeren Zeitraum — nützlich, wenn Ihre Ausbildung endet und Sie während der Jobsuche Unterstützung benötigen.
Partnerschaftsbonus (Partnerschaftsbonus)
Wenn beide Elternteile jeweils 25–32 Stunden pro Woche für mindestens 4 aufeinanderfolgende Monate zur gleichen Zeit arbeiten oder ausbilden, erhält jeder von Ihnen 4 zusätzliche Monate ElterngeldPlus. Das ist ein sinnvoller Bonus, den Sie beantragen sollten, wenn Ihr Partner auch Teilzeit arbeitet.
Wie Elterngeld bei einem Ausbildungseinkommen berechnet wird
Die Berechnung verwendet Ihr durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen aus den 12 Kalendermonaten vor dem Monat, in dem Ihr Kind geboren wurde. Hier ist das, was zählt:
Ihre Ausbildungsvergütung (nach Steuern und Sozialabgaben).
Alle Nebeneinkommen unter bestimmten Schwellwerten.
Was ist ausgeschlossen aus der Berechnung:
Arbeitslosenbeihilfe (ALG II / Bürgergeld).
Wohngeld (Wohnbeihilfe).
BAföG.
Monate, in denen Sie Mutterschaftsgeld erhalten haben — diese Monate werden bei der 12-Monats-Durchschnitt übersprungen, was Ihre Berechnung tatsächlich verbessern kann.
Schritt-für-Schritt-Berechnungsbeispiel
Nehmen wir an, Sie sind ein marokkanischer Azubi in Hamburg, der während Ihrer Ausbildung im zweiten Jahr 900 € brutto / 720 € netto pro Monat verdient.
Durchschnittliches Nettoeinkommen: 720 €/Monat.
Ersatzquote für Einkommen unter 1.000 €: ungefähr 67 % + ein gleitender Bonus. Bei 720 € netto beträgt Ihre Quote ungefähr 75 %.
Dies ist über dem 300-€-Minimum, also erhalten Sie 540 €/Monat an Basis-Elterngeld für bis zu 12 Monate (oder 14, wenn Ihr Partner 2 Monate nimmt).
Verwenden Sie den offiziellen Elterngeld-Rechner unter familien-wegweiser.de oder den BMFSFJ-Rechner unter bmfsfj.de, um vor dem Antrag Ihre genaue Summe zu erfahren.
Partnermonate und wie Sie Ihre Leistungen maximieren
Das 14-Monats-Maximum für Basis-Elterngeld gilt nur, wenn beide Elternteile mindestens 2 Monate je nehmen. Wenn nur ein Elternteil Urlaub nimmt, sinkt das Maximum auf 12 Monate.
Für marokkanische Paare in Deutschland ist hier die praktische Strategie:
Elternteil 1 (normalerweise die Mutter): Nimmt 12 Monate Basis-Elterngeld. Während der ersten 8 Wochen nach der Geburt (die Mutterschutz-Periode) erhält sie Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse und ihrem Arbeitgeber statt — Elterngeld beginnt nicht bis nach dieser Periode endet.
Elternteil 2 (der Partner/Vater): Nimmt 2 Partnermonate (Vatermonate). Dies kann oft während einer Urlaubsperiode oder durch unbezahlten Urlaub von ihrer Ausbildung oder ihrem Arbeitsplatz erfolgen.
Wichtig: Wenn Ihr Partner auch eine Ausbildung macht, hat er das rechtliche Recht, Elternzeit bis zu 3 Jahre zu nehmen — Ihr Arbeitgeber oder die Ausbildungsfirma kann dies nicht ablehnen. Sie müssen Sie einfach mindestens 7 Wochen vorher schriftlich benachrichtigen.
Elterngeld mit Elternurlaub von Ihrer Ausbildung kombinieren
Während der Elternzeit (die tatsächliche Urlaubsperiode, getrennt von der Leistung) wird Ihr Ausbildungsvertrag unterbrochen — nicht aufgelöst. Das deutsche Gesetz (BEEG § 18) schützt Sie vor Kündigung während der Elternzeit.
Wichtige Punkte:
Sie können bis zu 24 Monate Ihrer Elternzeit verschieben, um vor dem 8. Geburtstag des Kindes zu nehmen — nützlich, wenn Sie Ihre Ausbildung zuerst beenden und Urlaub später nehmen möchten.
Sie können Ihre Ausbildung in Teilzeit fortsetzen (unter 32 Stunden/Woche) und trotzdem Elterngeld oder ElterngeldPlus erhalten.
Benachrichtigen Sie Ihren Ausbildungsbetrieb schriftlich (Elternzeitantrag) mindestens 7 Wochen vorher, wenn Sie Urlaub für Kinder unter 3 Jahren planen, oder 13 Wochen vorher für den verschobenen Teil.
Ihr Ausbildungsvertrag kann um die Länge Ihres Elternurlaubs verlängert werden — bestätigen Sie dies schriftlich mit Ihrem Arbeitgeber.
Kontaktieren Sie Ihre Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK), wenn Ihr Arbeitgeber nicht kooperativ ist. Sie vermitteln genau solche Situationen.
Was Menschen über Elterngeld während der Ausbildung falsch verstehen
Hier verlieren viele Familien Geld oder verpassen Fristen:
Zu lange warten, um den Antrag einzureichen. Elterngeld kann rückwirkend beantragt werden, aber nur für die letzten 3 Monate. Beantragen Sie es so schnell wie möglich nach der Geburt — idealerweise innerhalb des ersten Monats.
Vergessen, Mutterschaftsgeld-Monate auszuschließen. Die Monate, in denen Sie Mutterschaftsgeld erhielten, werden aus dem 12-Monats-Einkommensdurchschnitt entfernt. Dies kann Ihren berechneten Durchschnitt erhöhen, wenn diese niedrige Einkommensmonate waren.
Nicht die Partnermonate beanspruchen. Väter oder Partner überspringen oft ihre 2 Monate. Tun Sie das nicht — es gibt Ihnen 2 zusätzliche Zahlungsmonate kostenlos.
Annahme, dass BAföG- oder Bürgergeld-Empfänger kein Elterngeld bekommen können. Sie können trotzdem Elterngeld erhalten, aber das Minimum von 300 € wird mit Bürgergeld verrechnet. Wenn Sie über dem Minimum sind, behalten Sie den Unterschied.
Der Elterngeldstelle nicht mitteilen, wenn sich Ihr Einkommen ändert. Wenn Ihre Ausbildungsvergütung während der Leistungsperiode ändert, müssen Sie es melden. Überzahlungen müssen zurückerstattet werden.
Basis-Elterngeld wählen, wenn ElterngeldPlus besser zu Ihnen passt. Wenn Sie vorhaben, schnell zur Teilzeit-Ausbildung zurückzukehren, funktioniert ElterngeldPlus oft besser — rechnen Sie die Zahlen durch, bevor Sie sich entscheiden.
Wo und wie Sie beantragen
Beantragen Sie bei Ihrer lokalen Elterngeldstelle, die Teil des Jugendamts oder der Versorgungsamts je nach Bundesland ist. Die meisten Länder erlauben jetzt Online-Anträge:
Ihre letzten 12 Gehaltsabrechnungen (Gehaltsabrechnungen / Ausbildungsvergütung).
Ihr Ausbildungsvertrag.
Wohnortnachweis (Meldebestätigung).
Ihr Pass und Aufenthaltserlaubnis.
IBAN für Zahlung.
Falls zutreffend: Mutterschaftsgeld-Bestätigung von Ihrer Krankenkasse.
Die Verarbeitungszeit beträgt normalerweise 4–8 Wochen. Zahlungen werden monatlich rückwirkend vom Beginn Ihrer Elterngeldperiode durchgeführt.
Fazit
Elterngeld während Ihrer Ausbildung ist absolut erreichbar — selbst bei einem Azubi-Gehalt von 700–1.000 €/Monat können Sie 300–750 €/Monat an Elternzeitbeihilfen erhalten und gleichzeitig Ihren Ausbildungsvertrag schützen. Der Schlüssel ist zu wissen, welches Modell (Basis vs. ElterngeldPlus) zu Ihrer Situation passt, Ihre Partnermonate zu beantragen und früh zu beantragen.